Herzschrittmacher- und Defibrillatorenimplantation
- Herzschrittmacher: Taktgeber für herzkranke Menschen
Bei manchen Herzrhythmusstörungen kommt es bereits in körperlicher Ruhe zu einer Verlangsamung des Herzschlages (Bradykardie), bei anderen handelt es sich um eine gestörte Anpassungsfähigkeit der Herzfrequenz im Rahmen von körperlicher Belastung.
Diese Umstände führen dann zu Symptomen wie Schwindelanfällen bis hin zur Bewusstlosigkeit und verminderter körperlicher Belastbarkeit. Sollten beherrschbare Ursachen wie die Einnahme gewisser Medikamente, die zur Verlangsamung des Herzschlages führen, ausgeschlossen sein, sollte die Implantation eines Herzschrittmachers erwogen werden.
Dabei wird nach örtlicher Betäubung unterhalb des Schlüsselbeines ein Gerät mit der Größe einer Streichholzschachtel unter der Haut eingesetzt. Dieses Gerät - der Herzschrittmacher - ist je nach Art der vorliegenden Herzrhythmusstörung über 1-3 Elektroden mit dem Herzmuskel verbunden. Die Elektroden geben entweder bei Bedarf oder aber kontinuierlich elektrische Impulse ab und ergänzen somit den natürlichen Impulsgeber des Herzens. Dadurch kann eine gefährliche Verlangsamung des Herzschlages vermieden werden.
- Implantierbare Cardioverter-Defibrillatoren (ICD)
In Deutschland sterben pro Jahr mehr als 100.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod. Im Vergleich dazu sterben etwa 5.000 Personen pro Jahr durch Unfälle im Straßenverkehr. Bei einer Großzahl der verstorbenen Personen liegt eine Herzerkrankung wie z.B. eine koronare Herzerkrankung mit einem akuten Herzinfarkt, abgelaufenem Herzinfarkt oder eine Herzmuskelerkrankung vor.
Das einem plötzlichen Herztod oder Kreislaufstillstand zugrunde liegende Erkrankungsspektrum unterscheidet sich bei jüngeren Patienten grundsätzlich von dem älterer Patienten. Bei älteren Personen sind Erkrankungen der Herzkranzgefäße für den überwiegenden Teil der plötzlichen Herztodesfälle verantwortlich. Bei jüngeren Patienten kommen dagegen neben strukturellen Erkrankungen des Herzmuskels auch elektrische Erkrankungen als Ursache des plötzlichen Herztodes vor.
Beim plötzlichen Herztod handelt es sich um das schlagartige Auftreten einer schweren Herzrhythmusstörung, dem Kammerflimmern. Dies hat den Verlust der Pumpfähigkeit und schließlich ein Herz-Kreislaufversagen zur Folge. Nur ein rechtzeitiger Elektroschock (Defibrillation) kann das Überleben des Patienten sichern. Um die Zeitspanne zwischen Auftreten des Kammerflimmerns und dem rettenden Elektroschock so gering wie möglich zu halten, gibt es seit einigen Jahren implantierbare Defibrillatoren. Diese werden wie ein Herzschrittmacher und auch unter Verwendung von örtlicher Betäubung, unterhalb des Schlüsselbeins eingepflanzt, ebenfalls durch Elektroden mit dem Herzmuskel verbunden und überwachen kontinuierlich den Herzrhythmus. Wird dabei Kammerflimmern oder eine ähnliche, gleichfalls gefährliche Herzrhythmusstörung festgestellt, können diese durch Abgabe von Elektroschocks bzw. niederenergetischer Impulse durch den Defibrillator (ICD) beendet werden.
- CRT-Systeme (Kardiale Resynchronisationstherapie)
Seit wenigen Jahren gibt es zusätzlich zur Möglichkeit der Vermeidung des plötzlichen Herztodes durch einen Defibrillator eine weitere Behandlungsstrategie. Hierbei wird bei Patienten, bei denen eine ausgeprägte Herzschwäche in Kombination mit einer gestörten Erregungsausbreitung im elektrischen System des Herzens (Linksschenkelblock) vorliegt, in Ergänzung zur medikamentösen Therapie ein spezielles Herzschrittmachersystem eingepflanzt. Dieses System führt zu einer Optimierung des Kontraktionsablaufs des Herzens und somit zu einer Besserung der Pumpleistung.
Dieses Schrittmachersystem zur kardialen Resynchronisation unterscheidet sich kaum von einem herkömmlichen Schrittmacher und wird ebenso wie dieser unter der Haut im Bereich des rechten oder linken Brustmuskels unterhalb des Schlüsselbeines eingepflanzt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Schrittmachern, bei denen ein oder zwei Elektroden über die Vene unter Röntgendurchleuchtung zum Herzen vorgeschoben werden, verfügt ein Gerät zur kardialen Resynchronisation über eine zusätzlich Elektrode mit der die linke Herzkammer stimuliert wird und die zusammen mit der Elektrode an der rechten Herzkammer für einen verbesserten Kontraktionsablauf des Herzens sorgt.
Die Implantation der zusätzlichen Elektrode erfolgt genauso wie bei einem konventionellen Schrittmachersystem, allerdings muss mit dieser Elektrode die in den rechten Vorhof einmündende Herzvene sondiert und über diese dann die Sonde zur linken Herzkammer vorgeschoben werden. In fast allen Fällen beinhaltet das Schrittmachersystem zur kardialen Resynchronisation auch die Fähigkeiten eines Defibrillators.
- Ereignisrekorder ("Eventrecorder")
Bei einer Synkope kommt es zu einem plötzlichen, kurz dauernden und reversiblen Bewusstseinsverlust (Ohnmachtsanfall). Die Ursache ist eine vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns, das somit nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
Es gibt eine Vielzahl von Ursachen für einen Ohnmachtsanfall, in ca. 30 Prozent der Fälle liegt eine Störung des Herz-Kreislauf-Systems zugrunde. Oft lassen sich die Gründe für eine Synkope rasch ermitteln. Bei bis zu 20 Prozent der Patienten gelingt allerdings keine Aufklärung.
Sollte der Verdacht auf eine Störung des Herzrhythmus als Ursache mehrerer Synkopen vorliegen und bleiben weiterführende Untersuchungen wie EKG, Langzeit-EKG etc. ohne wegweisenden Befund, so kann die Einpflanzung eines Eventrecorders erwogen werden.
Unter örtlicher Betäubung wird das kleine Gerät, das in Form und Größe einem USB-Stick ähnelt, durch einen kleinen Schnitt unter der Haut im Bereich des linken Oberkörpers neben dem Brustbein und oberhalb des Herzens eingepflanzt. Das Gerät kommt im Gegensatz zu Herzschrittmachern oder Defibrillatoren ohne Kabel aus. Die Batterielebensdauer beträgt etwa drei Jahre. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten. Unmittelbar nach der Implantation beginnt das Gerät mit der Überwachung des Herzrhythmuses und speichert bei Auftreten bestimmter Herzrhythmusstörungen ein EKG. Darüberhinaus kann der Patient über ein Aktivierungsgerät selbst eine EKG-Speicherung vornehmen.




