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18.08.2017
, Stuttgart
Neue Hände für den kleinen Mohammad
Afghanischer Junge erfolgreich im Karl-Olga-Krankenhaus operiert

In seiner Heimat Afghanistan hatten die Ärzte Mohammad bereits aufgegeben. Und auch in Deutschland glaubten Spezialisten aus drei unterschiedlichen Kliniken nicht daran, dass der Siebenjährige seine Hände jemals wieder würde benutzen können. Doch als PD Dr. med. Thomas Ebinger, Chefarzt der Klinik für Hand-, Plastische und Mikrochirurgie am Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart, vom Schicksal des kleinen Jungen erfuhr, der sich seine Hände im Alter von zwei Jahren so schwer verbrühte, dass er kaum noch etwas greifen konnte, stellte er sich der Herausforderung – und das mit Erfolg.

"Mohammad hat eine unglaubliche Leidenszeit hinter sich, der Unfall hat sein gesamtes Leben überschattet. Wir sind alle sehr froh, dass wir ihm eine Zukunft schenken konnten. Dinge, die für uns alle selbstverständlich sind, waren für Mohammed bis vor kurzem noch unmöglich. Doch jetzt kann er Schreiben lernen, Besteck halten oder Bälle fangen“, sagt PD Dr. Ebinger. Die Finger des Jungen waren aufgrund der Verbrühung so stark vernarbt, dass ein Öffnen der Hand nicht möglich war. Da Narbengewebe nicht mitwächst, waren die Finger massiv in ihrer Entwicklung behindert. „Als ich Mohammad zum ersten Mal sah, sahen seine Hände aus wie Fäustlinge“, erinnert sich PD Dr. Ebinger.

In Afghanistan waren die Ärzte machtlos. Zwar konnten sie durch schnelles Eingreifen eine Amputation der Hände des damals Zweijährigen verhindern, doch mehr konnten sie nicht für ihn tun. Durch sein Handicap wurde Mohammad mehr und mehr zum Außenseiter. Während seine Freunde Ball spielten oder Fahrrad fuhren, war Mohammad zum Zuschauen verdammt. Ein Schicksal, das berührt und das ihm im Westen erspart geblieben wäre. Doch alles änderte sich, als die Hilfsorganisation Friedensdorf International auf den kleinen Jungen aufmerksam wurde und ihn nach 

Deutschland vermittelte. Nachdem drei deutsche Kliniken die Behandlung für technisch zu anspruchsvoll beziehungsweise wenig erfolgversprechend hielten, wurde der Fall PD. Dr. Ebinger vorgestellt. Dieser Tag sollte Mohammads Leben für immer verändern.

Insgesamt sechs Mal operierte der erfahrene Chirurg den Jungen aus Nordafghanistan. In jeweils drei Operationen wurden zuerst die linke und anschließend die rechte Hand versorgt. „Die beiden Etappen zwischen Januar und Juli waren nötig, damit Mohammed genügend Zeit hatte, um sich zu erholen und der operierte Bereich in der Zwischenzeit wieder verheilen konnte“, erklärt PD Dr. Ebinger. Und der OP-Marathon hat sich gelohnt: „Nach den beiden OPs sind feine und grobe Greiffunktionen an beiden Händen möglich. Mohammad kann nun Dinge tun, die vorher undenkbar waren: Fahrradfahren, ein Stück Brot in die Hand nehmen und sogar schreiben. Beide Hände funktionieren gleich gut“, sagt PD Dr. Ebinger.

Ausgestattet mit seinen neuen motorischen Fähigkeiten und einer großen Portion neuer Lebensfreude im Gepäck fliegt Mohammad Ende August nach Monaten der Trennung wieder in den Kreis seiner Familie nach Afghanistan zurückgekehrt. Eine Nachbehandlung ist nicht nötig, aber der kleine Junge hat ein paar Hausaufgaben aufgetragen bekommen. „Während seiner beiden stationären Aufenthalte im Karl-Olga-Krankenhaus hat Mohammad natürlich auch Physio- und Ergotherapie erhalten. Diese dort erlernten Übungen wird er auch künftig anwenden, um seine Hände weiter zu trainieren“, so PD Dr. Ebinger. 

Neben zwei neuen Händen wird Mohammad jeden Tag noch durch ein weiteres Geschenk an seine Zeit in Stuttgart erinnert werden:  Alexander von Kuhlberg vom Sanitätshaus Carstens hat für ihn spezielle Kompressionsstrümpfe mit Silikonbeschichtung für beide Arme und Hände angefertigt. Diese unterstützen ihn bei den Dingen des täglichen Lebens. Damit der kleine Mohammad nicht länger ein Außenseiterdasein fristen muss.

Kontakt

Sandra Seidl | Projektleiterin Stabsstelle Unternehmenskommunikation
T. (089) 678 204 342
Oskar-Messter-Straße 24, 85737 Ismaning
E-Mail: sandra.seidl@sana.de | www.sana.de